Donnerstag, 22. Mai 2014

Nach der 2. Etappe ist vor der 3. und letzten Etappe des Camino



Nach meiner 2. Etappe auf dem Camino von Burgos nach Leon, die ich gemeinsam mit Paul-Hans alias Pablo und Alexander in 9 Tagen und 187 km geschafft habe, beginnt nun bereits gedanklich die Vorbereitung auf die 3. und letzte Etappe von Leon nach Santiago de Compostella. In Leon haben wir eine Tafel mit dem Hinweis -306 km bis Santiago de Compostella- gesehen.  Für die letzte Etappe brauchen wir sicher deutlich mehr Tage, zumal laut zuverlässiger Quelle darin einige schwierige Passagen enthalten sind. Die sorgfältige Planung der letzten Etappe haben wir uns (zu zweit, zu dritt oder gar zu viert) für den Winterurlaub vorgenommen, den wir gemeinsam in Nauders verbringen werden.

Aber erst noch mal ein Blick zurück an den Anfang unserer gemeinsamen Wegstrecke von Burgos nach Leon.
Alexander und Paul-Hans und ich trafen zeitgleich am Flughafen Düsseldorf ein. Nach einer freudigen Begrüßung klappte das Einschecken reibungslos und wir hatten einen angenehmen Flug nach Bilbao. Mit dem Flughafen-Transferbus ging es zum Busterminal. Dort hatten wir noch Zeit genug, um bei schönstem Frühlingswetter einen kleinen Imbiss, Tortilla u.a., zu uns zu nehmen. Mit dem Alsa-Bus ging es in 1 ¾ Stunden Fahrzeit nach Burgos. Da die private Herberge bereits voll war – in der benachbarten Kapelle nahmen wir später an der zügig verlaufenden und unter geringer Pilgerteilnahme stattfindenden Messe teil- , bekamen wir Unterkunft in der städtischen Herberge. Großer Schlafsaal und leider keine „Mantas“, so dass ich voll bekleidet zu Bett ging. Die Temperatur ging wie auch in den folgenden Tagen stark zurück (gefühlte Minusgrade), aber im Laufe des Vormittags, bis auf eine Ausnahme, setzte sich strahlender Sonnenschein durch. Ideale Wanderbedingungen.
Am Ziel unserer 1. Etappe richteten wir uns „häuslich“ ein und genossen die Ruhe und Muße in Hornillos del Camino. Hier trafen wir auf ein finnisches Ehepaar mit ihren 2 Töchtern, denen wir auch in den nächsten Tagen immer wieder bis Calzadilla de la Cuesa (5.Etappe) begegneten. In Hornillos del Camino trafen wir auch auf die Fränkin, mit der wir durch den Zigarettenaustausch ins Gespräch kamen. Auch sie trafen wir immer wieder auf dem Camino. Beim Abendessen hatte die „durchgeknallte“ Holländerin ihren ersten Auftritt. Sie trafen wir auch immer wieder mal bis zum Schluss in Leon. Der bemerkenswerteste Auftritt dieser Person war in der Kirche von Boadilla del Camino als sie auf die Kanzel stieg und von dort aus eine Arie schmetterte. Daraus erfand Paul-Hans für sie die Bezeichnung „Maria Callas“.  Die Stimme ist nicht schlecht aber der Auftritt war unangemessen. Während der 4. Etappe trafen wir kurz hinter Fromista auf die 2 Gambacher Frauen, mit denen ich Erinnerungen aus meiner Zeit in Wetzlar austauschte. Am nächsten Tag trafen wir sie wieder auf dem Rastplatz zwischen Carrion de los Condes nach Calzadilla. Wir machten Fotos. Auf dieser Strecke durch die Meseta – sie ist ein Teil der Via  Aquitana- gibt es keine Einkehrmöglichkeiten und die Bewirtschaftung des einzigen  Rastplatzes auf dieser Strecke ist nicht immer vorhanden. An diesem Tag konnte man sich aber mit Verpflegung versorgen.
Rita aus Geldern begleitete uns auch ein Stück des Weges. Sie ist sehr wandererfahren und wie viele andere auch allein unterwegs. Aber wer bleibt auf diesem Weg schon allein.
In der sehr schönen Herberge in Calzadilla de la Cuesa treffen wir zum letzten Mal auf das finnische Ehepaar mit Tochter (eine war inzwischen zurückgefahren), auf den schnarchenden Holländer (auch ihn treffen wir danach noch mehrmals wieder und achten darauf, nicht in einem gemeinsamen Zimmer zu übernachten), auf die junge Berlinerin, den holländischen Akkordeonspieler.
Es ist schon unglaublich wie schnell wir nach unserem Einstieg in Burgos in der „Pilger-community“ Anschluss gefunden haben. Schnell kommt man ins Gespräch mit Menschen aus aller Welt, trennt sich und findet sich plötzlich und unerwartet wieder, tauscht Erlebtes aus.
Weitere Personen, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind:
Claudia aus Langenfeld; Günther aus Hessen (ehemaliger Lehrer); Ingo aus Franken mit der Gitarre; Achim aus Hamburg- zum 4. Mal auf dem Weg und trotz eines Schwächeanfalls weitergehend; das Paar aus Alaska (sehr laute Stimme); das Paar aus Australien (Foto?), die euphorischeSchweizerin (zeitweise mit der Fränkin unterwegs, sie trafen wir zum letzten Mal in Leon) und den Schweizer Erich, der von Lourdes aus gewandert ist; die Gruppe Koreaner. Koreaner haben wir immer wieder getroffen. Besonders beeindruckt hatte mich die Gruppe in der städtischen Herberge in Manzilla de las Mulas. Sie schälten Berge von Knoblauch um damit zusammen ein Abendessen zuzubereiten. Später, nach dem Essen, kam es zu einer ausgelassenen fröhlichen Runde im Innenhof der Herberge, wobei unter Ingos Gitarrenbegleitung gemeinsam Lieder gesungen wurden. Leider waren wir nicht textsicher. Aber die Stimmung war grandios.

Die letzte Etappe führte uns dann nach Leon. Nach 9 Tagen fernab der hektischen Zivilisation hatte uns das normale, weil gewohnte, Leben wieder eingeholt. Trotzdem hatten wir noch schöne Tage sowohl in Leon als auch in Santander.
16 Tage unterwegs in Spanien waren eine wunderschöne Zeit. Viel dazu beigetragen hat sicher auch das tolle Wetter. Und doch habe ich mich zum Schluss auch wieder nach dem Alltagsleben in Köln gesehnt. Gefreut habe ich mich natürlich besonders als ich in der Corkstraße ankam und Bernhard auf dem Balkon sah. Es war ein schönes Wiedersehen.

2 Kommentare:

  1. unser Selfie nach der Rückkehr darf als Beweis herhalten, dass wir eine gute Zeit hatten und ich auch gerne das letzte Stück mit Helmut wandern möchte - auch wenn ich das Stück schon kenne.

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  2. Ich kann die Beweiskraft des letzten Fotos von der 2. gemeinsamen Etappe nur unterstreichen und ich freue mich darauf die letzte Etappe mit Alexander zu wandern.
    Buen Camino

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